Bommel`s Welt
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26. 09. 2011 - 17:49
Elias

Eigenartig, wie sich die Familie in den letzten Monaten benommen hat. Während unser Essverhalten einer strengen Kontrolle unterliegt, mussten wir erleben wie ein Familienmitglied immer mehr in die Breite wuchs und keiner fand das störend. Nein, ganz im Gegenteil, ständig wurde der sich explosionsartig ausdehnende Bauch anerkennend gestreichelt und alle waren begeistert. Ja wo blieben sie jetzt, die Ermahnungen zur Mäßigung, wo blieb die Waage? Kein Vorwurf „ du wirst zu fett“, wie ihn Brösel und ich ständig über uns ergehen lassen müssen. Keine Androhung von Leckerbissenentzug. Wer kann das verstehen? Außerdem war verdächtig oft von einem Elias die Rede. So und jetzt war er da dieser Elias und alle begrüßten ihn hocherfreut. Ich hörte immer nur die gleichen Redewendungen „ ist der süß“, oder, „ so ein schönes Baby, schau nur die wunderschönen Augen und diese langen Fingerchen, die dunklen Haare und der entzückende Schmollmund.“ Es war zum aus dem Fell fahren. Kein Mensch interessierte sich für uns Möpse. Dabei ist dieser Elias nur ein ziemlich verschrumpelter Winzling. Er beherrscht nicht einmal die einfachsten Dinge wie laufen und springen und ein Ringelschwänzchen konnte ich auch nicht entdecken. Mit einem Wort, als Hund wäre er eine absolute Niete und er könnte höchstens als Mängelexemplar durchgehen. Dafür kamen seltsam quäkende Töne aus seinem angeblich so süßen Mündchen. Das war schon recht gewöhnungsbedürftig, doch die Familie schien das nicht zu stören. Natürlich antworteten wir auf diese unangenehmen Geräusche mit heftigem Bellen, worauf sofort eine Ermahnung folgte. Völlig frustriert zog ich mich auf mein Sofa zurück. Brösel folgte mir und aus sicherer Entfernung warteten wir auf den Abgang dieses unerwünschten Eindringlings. Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit verabschiedeten sich die Eltern mit dem Kind. Aber wer glaubt, jetzt wäre das Thema Elias erledigt und Brösel und ich, wir könnten wie gewohnt in den Mittelpunkt des Geschehens rücken, der irrt sich. Die Gespräche drehten sich noch lange um dieses Kind. Dabei bemerkte keiner, dass ich beleidigt und gekränkt auf meinem Platz lag und nicht einmal fressen mochte. Brösel teilte meine Gefühle. Richtig vernachlässigt fühlten wir uns. Am nächsten Morgen, die Familie verhielt sich wie immer, doch Brösel und ich, wir streikten. Soviel Nichtachtung muss Konsequenzen haben und deshalb verzichteten wir auf unser Morgenfutter, bei Oma und Opa nahmen wir keinen Hundekeks und ich konnte vor lauter Kränkung kein Häufchen ablegen. Zuerst erfasste die Familie den Ernst der Lage nicht, denn Brösel der Verräter konnte seine Fressgier nicht zügeln und er warf seine Vorsätze bereits nach kurzer Zeit über Bord. Doch ich hielt eisern durch. Nach 2 Tagen Verweigerung fingen sie an sich ernsthaft Sorgen zu machen. Mein Bauch wurde begutachtet und für zu hart befunden. Verschiedene Verdauungsfördernde Maßnahmen zeigten keine Wirkung und deshalb beschloss die Familie den Tierarzt zu konsultieren. Kurz entschlossen wurde ich ins Auto gepackt und zur Arztpraxis gebracht. Dort wurde mein Bauch abgeklopft, Zähne und Ohren begutachtet, mein Herzschlag abgehört und anschließend meinte der Arzt ich sei völlig gesund. Alle zeigten sich erleichtert und zufrieden. So nun hatte ich sie wieder die uneingeschränkte Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge die ich für mein Wohlergehen brauche. Jetzt konnte ich endlich zur Tagesordnung übergehen. Daheim angekommen stürzte ich mich gleich auf den Fressnapf und verschlang voller Heißhunger die ganze Ration Trockenfutter. Ich hatte ja einigen Nachholbedarf. Später bei unserem Spaziergang machte ich gleich 4mal ein Häufchen und die Familie war hocherfreut. Ich hoffe nur meine Lieben haben ihre Lehren aus diesem Vorfall gezogen.